Samstag, 14. November 2020

Herantasten an das Konzept von Gaslighting im Verlauf des Lebens vieler trans und nicht-binärer Menschen

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Was ist eine Transition?

Als „Transition“ wird meist die Summe an Veränderungen bezeichnet, die trans Menschen durchlaufen, wenn sie, sozial oder köperlich hin zu Gewünschtem „transitionieren.“ Problematisch ist an diesem Wort so Einiges. Nicht nur wird damit ein vermeindlicher Anfang und ein vermeindliches Ende von einem solchen „Trans-Weg“ suggeriert, auch werden mit der „Transition“ ganz bestimmte Schritte verbunden. Oft werden diese Schritte (wie z. B. Hormone nehmen, Operationen usw.) dafür benutzt damit zu „messen“, ob Menschen auch wirklich trans genug seien. Das ist alles einfach nur eine einseitige und ganz schlimme Annahme darüber, wer trans sei und wer nicht. Meistens messen das außerdem Leute, die selber nicht trans sind und verhalten sich dementsprechend respektlos gegeüber Menschen, die ihrer Ansicht nach nicht trans genug seien. Als würden cisgeschlechtliche Menschen in ihrem Leben nicht auch ständig durch irgendwelche Veränderungen gehen (auch körperlich). Was ist zum Beispiel die Einnahme der Pille, wenn nicht Hormoneinnahme usw.? Kein Mensch würde deswegen behaupten, dass eine Geschlechtsidentität falsch wäre. Es gibt auch trans Menschen, die solche Messungen machen und damit andere trans Menschen diskriminieren. Das ist einfach auch unsolidarisch und ganz gemein und diffamierend und wird auch von cis Menschen oft als falsche Rechtfertigung genommen, dass die Bedürfnisse von trans Personen gleich sein müssten, z. B. so: „Ich kenne aber einen Transmann/ eine Transfrau der*die gesagt hat, dass nur Leute, die Hormone nehmen und OPs machen echt trans sind.“ So ein Argument ist ja wohl ganz unlogisch, schließlich gibt es so viele verschiedene Bedürfnisse bei trans Personen wie auch bei cis Personen.


Was ist Gaslighting?

Gaslighting ist ein Prozess, in Laufe dessen die Erinnerungen oder Gedanken von einer Person durch andere Personen so beeinflusst werden, dass sie manipuliert werden und eins z. B. vergangene Ereignisse ganz anders wahrnimmt, als sie eigentlich passiert sind. Im Grunde glaubt eins dann, dass bestimmte Sachen gesagt, getan wurden, sei das jetzt von der Person selbst oder anderen, obwohl sie so garnicht passiert sind. Gaslighting habe ich im Zusammenhang mit trans-Sein und speziell mit nicht-binär-Sein schon sehr sehr häufig erlebt, aber meist habe ich erst im nachhinein gemerkt, was da passiert ist

 

Institutionelles Gaslighting im Leben von trans/ nicht-binären Menschen

Ein Beispiel: Nehmen wir z. B. meine beiden Gutachten vom TSG-Verfahren. Dort mussten die Gutachter unter anderem meine Kindheit genauer unter die Lupe nehmen und feststellen, ob ich schon immer nicht-binär war (das ist schließlich eine Richtlinie für das Gutachten und auch das gängige Trans-Narrativ: Hat sich schon immer als Mann/Frau gefühlt). Deshalb steht in den Gutachten z. B. drin, dass ich in meiner Kindheit sowohl mit Puppen gespielt, als auch Baumhäuser gebaut habe. Laut dem Gutachten kann ich ja schon wegen meiner Spielzeugpräferenzen in meiner Kindheit nur nicht-binär sein. Ich habe nämlich sowohl typisch mädchenhafte als auch typisch jungenhalfte Spiele gespielt. Irgendwann glaube ich dann selber, dass ich bestimmt schon immer meine Nicht-binarität so empfunden habe, auch als Kind: Aha ja, also ich muss mich wohl schon als Kind nicht-binär gefühlt haben! Wenn ich das dann glaube, ja wenn das gar zu einer meiner Rechtfertigungen wird, warum ich nicht-binär bin, dann wurde ich erfolgreich gegaslightet! Und nicht nur das, ich wurde nicht nur einfach so gegaslightet, sondern systematisch, strukturell, institutionell, nämlich von einer Struktur, die so aufgebaut ist, dass sie unweigerlich genau das mit mir macht: Den MDK-Richtlinien zur Begutachtung von "Transsexuellen."

Um aus diesem Teufelskreis herauszukommen muss ich dann erst Mal differenzieren: Nein, so habe ich nicht schon immer empfunden, denn das Konzept von Nicht-binarität kenne ich sowieso erst seit ich ca. 22 bin. Wie zur Hölle soll ich mich denn vorher so identifiziert haben, wenn da nie so eine Option war? Außerdem war Geschlecht in meiner Kindheit kein großes Thema. Als ich in den 90ern aufgewachsen bin waren selbst die Kinderklamotten kaum gegendert. Ganz absurd wird es hier, weil ja meine Nicht-binarität mit Hilfe von binären Kategorien, wie vergeschlechtlichten Spielzeugtypen, gerechtfertigt wird. Soetwas verfestigt ja eher die Geschlechterbinarität als sie zu Gunsten nicht-binärer Identitätskonzepte zu dekonstruieren. Natürlich hatten die beiden Gutachter von meinem TSG-Verfahren nicht so viel Spielraum, was die Dekonstruktion von Geschlechterbinarität zu Gunsten meiner Geschlechtsidentität anging. Schließlich mussten sie sich immer noch im Rahmen der vom TSG vorgeschriebenen und offensichtlich absolut binaristischen Regelungen bewegen. Das heißt, damit ich überhaupt eine realistische Chance hatte, dass der Richter am Amtsgericht meine Namensänderung bewilligen würde, musste sich mein Lebenslauf diesen binaristischen Regelungen beugen, ganz egal ob ich nun eigentlich nicht-binär bin oder nicht.

Dieses Beugen und Ziehen und Strecken, das sind alles nicht unbedingt Unwahrheiten. Ich habe ja als Kind mit Puppen gespielt und auch Baumhäuser gebaut. Aber natürlich bestand meine Kindheit jetzt nicht nur aus Puppen und Baumhäusern. Diese beiden Dinge so stark herauszustellen, bei speziell ihnen eine binärgeschlechtliche Zuweisung vorzunehmen, diese dann zu verwenden, um eine angebliche Ambivalenz in meiner Kindheit auszumachen, die wiederum nötig ist, um den Richtlinien der TSG-Begutachtung gerecht zu werden, das ist doch schon ein ganzer absurder Brocken Bullshit, der rechtfertigen soll, dass ich WIRKLICH nicht-binäre bin, anstatt mir einfach zu glauben, dass es so ist und dass ich eben so lebe. Im Endeffekt sagt ja auch kein Mensch heute noch zu einer cis Frau: „Oh, du hast als Kind Baumhäuser gebaut und fandest Puppen irgendwie doof, denkst du nicht vielleicht du bist doch ein Transmann?“ Warum gibt es dann aber immer noch solche absurden Ansprüche an trans Menschen?

In meinen TSG-Gutachten steht z. B. auch drin, dass ich keine Hormone nehmen möchte...tja...hier stand ich nun, anderthalb Jahre später in meinem Berliner WG-Badezimmer und schmierte mir die ersten Dosis Testo-Gel auf die Arme. Geschlechtsidentität ist eben nicht unbedingt etwas statisches, genau wie alle anderen Teile der Identität von einer Person sich lebenslänglich stets verändern und umformen, je nachdem was wir für Erfahrungen machen, welches Wissen uns zugänglich ist und in welchen Umfeldern wir uns bewegen und wegen noch tausend anderer Dinge, vielleicht auch einfach einem Gefühl, einer Empfindung zu einem Moment.

Und wenn ich in zwei Jahren entscheide, dass ich kein Testo mehr nehmen will, dann ist das so! Da hat sonst keine andere Person was dazu zu sagen! Andere Leute setzen ständig Medikmente ab oder switchen zwischen unterschiedlichen Medikamenten hin und her, je nachdem welche besser für sie sind und da sagt auch niemensch etwas. Aber weil es hier um Transgeschlechtlichkeit und damit auch um Geschlechtsidentität geht, denken immer gleich alle sie hätten das Recht dazu etwas sagen zu können, besonders diejenigen, die im Leben überhaupt keine Erfahrung damit gemacht haben, wie es ist transgeschlechtlich zu sein. Ja, gerade DIE können bestimmt am besten einschätzen was gut für MEINEN Körper ist und was nicht, ich glaub die haben wohl eher einen paternalistischen Kontrollkomplex!


Trans-/Enby-Selbsthass und Rechtfertigungsnot

Sowohl für eines meiner TSG-Gutachten als auch für die Beantragung der Mastektomie musste ich einen sogenannten Translebenslauf schreiben. Es ist ganz detailliert fesgelegt, was dort drin stehen soll: Informationen darüber, wie eins mit der Familie klar kommt, welche Partner*innenschaften und Freund*innenschaften eins so führt usw. Ganz schön persönliche Sachen, die das Innerste berühren und die Krankenkasse ja wohl garnichts angehen. Trotzdem war ich gezwungen diesen Translebenslauf zu schreiben. Aber was schreibt eins denn in so einen Lebenslauf? Natürlich das, was die Krankenkasse hören will, ist ja klar, sonst bringt das alles ja nichts: Stabile Familienverhältnisse und guten Kontakt zu den Eltern, liebevolle Partner*innenschaften, auch wenn geoutet, enge Freund*innenschaften mit stetiger Unterstützung usw.? Jetzt Mal im ernst, welche Person kann schon von sich behaupten das perfekte Leben zu haben, mit den perfekten Bindungen, ob trans oder cis? Und welches weiß schon, ob die Person beim MDK, die am Ende diese wichtige Entscheidung für dein Leben trifft, obwohl sie dich nicht kennt, z. B. homophob ist und du deshalb lieber hetero sein solltest in deinem Translebenslauf und vielleicht auch besser monogam anstatt poly und am besten auch lieber sexuell „normal aktiv“ und nicht asexuell und kennnen die überhaupt das Wort demisexuell oder was?

Tragisch ist eben leider nur, dass einen solchen Translebenslauf zu schreiben ganz schön viel Kraft und Durchhaltevermögen erfordert. Trans und nicht-binäre Personen werden, während sie sich ausdenken müssen, was für ein perfektes Leben sie haben sollen, nämlich immer wieder damit konfrontiert, welche trans-feindliche und nicht-binär-feindliche Scheiße eigentlich wirklich in ihrem Leben abgeht. Für die Wahrheit darüber, wie scheiße manche Eltern mit dem Outing ihrer Kinder umgehen, wie toxisch manche vorherigen Freund*innenschaften nach dem Outing werden können und welche beschissene Kackscheisse manche Arbeitgeber*innen und Kolleg*innen gegenüber trans und nicht-binären Menschen verzapfen (weshalb viele sich eben gar keinen verdammten 3-jährigen Alltagstest leisten können), ist im perfekten Translebenslauf nämlich kein Platz.

Ganz im Ernst also: Viele der Sachen in solchen Translebensläufen werden höchstwahrscheinlich eine geschminkte Form davon sein, was eigentlich im realen Leben abgeht. Das ist auch nicht weiter verwunderlich und auch nicht die Schuld der Personen, die diese Lebensläufe schreiben müssen, nein! Das Problem ist das System, das von ihnen verlangt möglichst perfekt zu sein und dieser Druck speist sich aus homofeindlichen, heteronormativen und pathologisierenden Richtlinien, um genau zu sein aus Vorstellungen, die aus den 80ern stammen (eigentlich sogar aus den 70ern, denn sie orientieren sich an US-amerikanischen Theorien eines Inter*verstümmlers) so alt sind diese Richtlinien nämlich!

Es wundert also gar nicht, dass als trans und nicht-binäre Person eben auch Selbsthass zu entwickeln garnicht so unwahrscheinlich ist, wenn ich ständig dazu gezwungen bin meine Identität mit Un- oder Halbwahrheiten zu rechtfertigen. Wenn ich nämlich ständig in Erklärungsnot komme, aber die Leute die meine Identität „erklärt haben wollen“ überhaupt nicht die Voraussetzungen haben zu verstehen, wie sie sich konstituiert, ja eigentlich erst Mal eine 5-modulige Schulung besuchen müssten, um ihr normatives Weltbild zu dekonstruieren, damit sie das checken, was ich ihnen sagen würde, dann wundert mich garnichts mehr! Dann werde ich natürlich dazu gezwungen zu versuchen, meine Identität mit Hilfe von Dingen zu rechtfertigen, die diese Leute dann verstehen können, aber das ist eben meistens zum Scheitern verurteilt (aka. Puppen und Baumhäuser).

Vor allem kann das auch dazu führen, dass ich an diesen Dingen hängen bleibe und irgendwann selbst glaube, dass sie mich ausmachen. Voll toxisch, wenn ich dann immer darauf zurück greife, wenn ich wieder in die Situation komme, in der von mir erwatet wird meine Geschlechtsidentität zu rechtfertigen oder in der ich schon in vorgezogenem Gehorsam diese Dinge wieder aus der Kiste krame: So werden trans und nicht-binäre Personen in unserer Gesellschaft dazu gezwungen sich selbst zu gaslighten (aka der Selbsthass kommt bestimmt). Leider führt so ein internalisierter Selbsthass auch häufig dazu, dass das dringend benötigte gegenseitige Empowerment zwischen Menschen ausbleibt, die diese Diskriminierung erleben. Wenn nämlich deine trans Freund*innen dir sagen: "Sag doch du hast deinen Perosnenstand mit dem TSG geändert, dann glauben die dir, denn das ist so offiziell, dass sie dir glauben müssen!" Leider ist das Quatsch...wer mich schon so nicht respektiert tut es auch dann nicht, wenn meine trans Identität "offiziell" ist, denn das ist dann höchstens ein obrigkeitshöriger Move und hat nichts mit tatsächlicher Akzeptanz und Reflexion zu tun. Außerdem mache ich mich damit auch noch nackt, was meine medical history betrifft und das vor Leuten, die das überhaupt nichts angeht! In erster Linie sollte ich eben überhaupt nicht zu Rechtfertigung im Bezug auf meine Pronomen-und Namenwahl gezwungen werden! Schließlich muss sich auch keine cis Person rechtfertigen, warum sie jetzt cis sei, also cis people: DEAL WITH IT! Verwendet einfach meine verdammten selbstgewählten Pronomen, oder soll ich euch Mal misgendern?

Anders der Behauptung der meisten cis Leute aus den Vorstellungsrunden in Workshops die ich bisher gegeben habe, fanden es die meisten dann doch nicht so toll, wenn ich einfach irgendein „egals welches“ Pronomen für sie verwendet habe...Oje Leute, googelt einfach, oder bezahlt mich zumindest für diese Aufklärungsarbeit. Verdammt richtig: Ich habe seit langer Zeit damit aufgehört unbezahlte Aufklärungsarbeit zu machen! Deshalb schreibe ich nur noch für Menschen, die ähnliche Erfahrungen machen wie ich, mit der Hoffnung auf deren und mein Empowerment.

 

Alles Liebe


Akne wegen Testosteron – Hormontherapie bei trans Personen und Enbys

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Mit der Einnahme von Testosteron ans transgeschlechtliche und/oder nicht-binäre Person kommt der Körper in eine Pubertät. Das bedeutet, dass alles, was bei der Pubertät von cis-Männern stattfindet auch bei dieser Pubertät von trans/nicht-binären Menschen die testo nehmen stattfinden kann. Dazu gehört leider auch Akne, die garnicht so selten vorkommt.


Was verursacht die Akne?

Bei der Testosteroneinnahme als trans/nicht-binäre Person ist relativ klar, dass dies der Grund für die Akne ist, zumindest wenn eins davor keine Akne hatte und im Laufe der Hormontherapie dann welche bekommt. Besonders ab dem 6./ 7. Monat nach Beginn der Hormonbehandlung holt die Testo-Akne euch ein, außer ihr habt wirklich viel Glück.

Zudem gibt es viele weitere Gründe, welche dazu führen können, dass die Akne z. B. besonders stark auftritt. Das ist von Körper zu Körper unterschiedlich und kann z. B. (ähnlich wie beim Haarausfall) auch einfach an den Genen liegen. Wenn ihr wirklich wissen wollt, was eure Akne ggf. verschlimmert, dann werdet ihr kaum drum herum kommen, ein Akne-Tagebuch zu führen, in dem ihr die verschiedenen Trigger dokumentiert. Ob es an den Genen liegt kann so natürlich nicht unbedingt rausgefunden werden, aber andere Trigger könnt ihr so besser finden. Solche Trigger können z. B. sein:

  • bestimmte Pflegeprodukte (Waschgels, Cremes usw.)

  • Hormoneller Zyklus

  • Stress (auch verschiedene Arten von Stress)

  • Bewegung (Sport kann dabei helfen, dass sich der Hormonspiegel einpendelt)

  • Wie oft ihr euer Gesicht wascht und wie oft ihr duscht (auch zu oft ist manchmal nicht gut, aber auch, wenn ihr euch nicht wascht obwohl ihr schwitzt ist das meist nicht so gut)

  • Bestimmte Lebensmittel

  • Zucker (z. B. auch nur bestimmte Arten von Zucker)

  • usw.


Was auf keinen Fall machen?

Auf keinen Fall solltet ihr euch ins Gesicht fassen, wenn ihr euch nicht vorher gründlich die Hände gewaschen habt (das solltet ihr sowieso nicht, auch alleine schon wegen Corona ;). Ihr solltet es auch vermeiden zu versuchen (besonders größere) Akne-Stellen auszudrücken, denn dadurch wird die Haut nur noch mehr gereizt und entzündet sich schlimm, sodass es noch länger dauert bis die Stellen verwschwinden. Seht auch davon ab das Gesicht ständig zu schrubben, denn das führt nur zu mehr Irritationen. Stattdessen schön liebevoll und zart reinigen ;). Zu viele Pflegeprodukte und Makeup führen ebenfalls oft zu mehr Irritation.


Was gibt es für Optionen?

1) Weniger Testo nehmen

Wenn das für euch in Frage kommt könnt ihr mit eure*r Endokrinolog*in darüber sprechen, ob ihr die Testosterondosis verringert. Das hängt auch davon ab wie so eure Testosteronwerte aussehen von euren Bluttests.


2) Eine*n Dermatolog*in aufsuchen

Sowieso solltet ihr immer bevor ihr ein Produkt verwendet oder mehrere Produkte gleichzeitig, eine*n Dermatolog*in aufsuchen, damit das Ganze auch sicher ist. Manche Produkte können die Haut nämlich stark angreifen und ggf. zu irreversiblen Schäden führen. Vor allem Cremes sollten auch nicht gemischt werden. Der*die Dermatolog*in kann euch auch Produkte verschreiben, die speziell eurer Haut helfen können. Wenn Cremes nicht helfen kann e snötig sein eine medikamentöse Behandlung durch den*die Dermatolog*in zu veranlassen (z. B. Tabletten zum Schlucken). Dabei ist aber wichtig, dass der*die Dermatolog*in über eure Testosteroneinnahme Bescheid weiß, damit euch nicht z. B. die Pille oder sonstige Östrogene verschrieben werden.


3) Produkte ausprobieren

Beim Ausprobieren von Produkten ist es ratsam geduldig zu sein und immer nur ein Produkt auf einmal anzufangen, damit ihr auch wirklich feststellen könnt ob das Produkt hilft oder nicht. Das ist manchmal frustrierend, aber dennoch sinnvoll. Hier Mal ein paar Produkte die ich ganz gut finde und benutze oder schon einmal benutzt habe:


Produkte fürs Gesicht

    1) Garnier BIO Waschgel Lemongrass (beruhigt und reinigt die Haut) gibt es bei DM

    2) La Roche Posay Effeclar Mikro-Peeling Reinigungsgel (mit 2% Salicylsaure) aus der Apotheke

    3) Epoduo Forte (verschreibungspflichtig und ganz schön äzend und austrocknend, sodass immer nur eine sehr kleine Menge verwendet werden sollte → Angaben des*der Dermatolog*in befolgen)

    4) Dipalen Creme (verschreibungspflichtig, auch äzend, aber weit weniger als Epiduo Forte)

    5) Es kann auch helfen, eine möglichst unfettige Creme mit Lichtschutzfaktor zu verwenden, um die Haut vor UV-Strahlen zu schützen, damit sie nicht noch mehr gereizt wird. Für manche Hauttypen sind solche Cremes aber auch nicht hilfreich, weil sie ggf. zu sehr fetten.

 

Produkte für den Körper

    1) ph-neutrae Seife ohne Duftstoffe oder sonstige Zusätze (z. B. Sebamed seifenfreies Waschstück)

    2) La Roche Posay Effeclar Mikro-Peeling Reinigungsgel (mit 2% Salicylsaure) aus der Apotheke

    3) Cordes BPO 5% (Achtung kann Klamotten bleichen) aus der Apotheke (richtig gut!)

Nicht-binär und Testosteron nehmen?

Es gibt so viele verschiedene Menschen, die sich als nicht-binär/ a-binär/ genderqueer/ weder-noch usw. identifizieren. Die meisten machen unterschiedliche Erfahrungen und haben auch unterschiedliche Bedürfnisse, wie auch cisgeschlechtliche Personen und binär-transgeschlechtliche Personen unterschiedliche Bedürfnisse und Lebenswege haben. Alle diese Bedürfnisse sind valide und es müssen nicht zwangsweise bestimmte medizinische Wege gegangen werden, um transgeschlechtlich und/oder nicht-binär zu sein. Nicht alle haben den Wunsch Hormone zu nehmen oder verschiedene Ops durchführen zu lassen und das ist auch absolut ok so! Manche möchten dies und das ist auch ok so!

In diesem Eintrag soll es darum gehen, wie es auch für nicht-binäre Personen möglich ist, wenn sie es denn möchten, Hormone zu nehmen. Speziell geht es dabei um Testosteron für Menschen, denen bei Geburt „weiblich“ zugeschrieben wurde, weil das ein Thema ist, über das ich guten Gewissens reden kann, da es mich selbst betrifft und ich selbst diese Erfahrung gemacht habe. Zunächst einmal sieht das System in Deutschland vor, dass Personen, die Hormone nehmen möchten und in das Spektrum von Transgeschlechtlichkeit fallen, eine Indikation von eine*r Psycholog*in vorweisen können. Da werden die meisten nicht drumherum kommen, denn die meisten Ärzt*innen werden eine solche Indikation verlangen, bevor sie Testosteron verschreiben. Das ist leider ganz schön diskriminierend, weil somit natürlich ein*e Psycholog*in darüber entscheidet, ob ihr Hormone bekommen könnt oder nicht. Das bedeutet ihr braucht erst einmal eine*n Psycholog*in, die so eine Indikation schreiben würde. Auf der Suche nach so einer Person solltet ihr eure örtlichen Transberatungsstellen um Rat fragen, denn dort gibt es oft schon Adressen von Psycholog*innen, die bereits mit transgeschlechtlichen Menschen gearbeitet haben (natürlich ist das trotzdem kein Erfolgsrezept, aber schonmal ein Anfang zum Suchen). Hier gibt es mehr Informationen zur Psycholog*innensuche.

 Bitte beachtet, dass viele der folgenden Ausführungen leider emotional ganz schön ans Innerste gehen können. Das medizinische System in Deutschland hat die Existens von nicht-binären Menschen bisher nicht offiziell anerkannt, weshalb die meisten Ressourcen, Richtlinien und Prozesse sehr binärgeschlechtlich gedacht werden. Auch ist das System nicht gerade nett zu Menschen mit auf die Psyche bezogenen Vordiagnosen.

 

Was ist eine Indikation? 

Eine Indikation ist wie ein Attest für Medikamente. Die*der Psycholog*in schreibt die Indikation hier geht es zu einem Beispiel wie so eine Indikation aussehen kann.

 

Was soll in einer Indikation stehen? (Entnommen aus: "Standards der Behandlung und Begutachtung von Transsexuellen")

1. Die Diagnose einer manifesten Geschlechtsidentitätsstörung wurde durch einen Psychiater / Psychotherapeuten ausreichend anhand der diagnostischen Kriterien überprüft und gesichert (Diagnose: F 64.0)

2. Komorbiditäten (insbesondere psychische) sind ausreichend stabilisiert bzw. ausgeschlossen.

3. Die Behandlung beim Psychiater / Psychotherapeuten wurde nachweisbar in ausreichender Intensität und Dauer durchgeführt (in der Regel mindestens 12 Monate). Der Therapeut ist zu dem klinisch begründeten Urteil gekommen, dass die genannten Ziele der psychiatrisch- psy-chotherapeutischen Behandlung erreicht sind.

4. Der Patient hat das Leben in der gewünschten Geschlechtsrolle erprobt (Alltagstest in der Re-gel mindestens 12 Monate).

5. Ein krankheitswertiger Leidensdruck liegt vor.

6. Voraussetzungen und Prognose für die geplante Hormonersatztherapie sind positiv. Hierzu gehören insbesondere auch die Abwägung von Kontraindikationen und der Nachweis, dass der / die Versicherte über Nebenwirkungen und Risiken der Hormonersatztherapie umfassend auf-geklärt wurde.

 Jetzt aber nicht gleich den Kopf in den Sand stecken. Es gibt auch gute Therapeut*innen, die wirklich reflektieren, dass diese Richtlinien aus den 80ern stammen und die zu transgeschlechtlichen und/oder nicht-binären Personen positiv eingestellt sind. Es gibt gute Therapeut*innen, die sie sich wirklich damit beschäftigen, wie wichtig es für viele Menschen ist, möglichst zeitig auch Hormone zu bekommen und, die obendrein verstehen, dass der Alltagstest, ohne Hormone zu nehmen, für viele Menschen einfach eine absolut unlogische Zumutung ist. Fragt wie gesagt bei euerer lokalen Transberatungsstelle nach solchen Adressen und scheut euch auch nicht direkt am Anfang nachzufragen, ob sich der*die Therapeut*in vorstellen könnte so eine Indikation zu schreiben. Es nützt nämlich absolut nichts die Anstrengung und Zeit auf sich zu nehmen, wenn der*die Therapeut*in am Ende doch nichts schreibt und/oder auch keine Anung hat, was eigentlich die Anforderungen an eine solche Indikation sind!

 

Wer kann Testosteron verschreiben? 

Testosteron verschreiben können Endokrinolog*innen, Gynäkolog*innen, Urolog*innen und sogar Hautärzt*innen. Die Frage ist, ob sie es auch tun. Dafür könnt ihr euch vorher bei Ärzt*innen in eurer Nähe informieren. Vielleicht hat eure ansässige Transberatungsstelle auch schon gute Adressen von Ärzt*innen, die Erfahrungen mit transgeschlechtlichen Personen haben, damit ihr nicht zu lange suchen müsst. Mit der Indikation könnt ihr dann zu diesen Ärzt*innen hin gehen.

 

Welche Hormone? 

Es gibt verschiedene Arten von Testosteron, die ihr euch verschreiben lassen könnt und verschiedene Arten, wie sie „einzunehmen“ sind. Lasst euch am besten von euren Ärzt*innen dazu beraten und informiert euch auch schon vorher darüber. Einige Ärzt*innen haben nämlich auch gar keine Ahnung was die Nebenwirkungen sein können. Hier ein paar Adressen. Leider sind sie alle ziemlich binär:  

TransMann e. V. 

Broschüre mit Nebenwirkungen 

Ihr könnt euch beispielsweise dazu entscheiden eine Spritze oder Testogel zu nehmen (die meisten Ärzt*innen lassen euch die Wahl, fall snicht könnt ihr auch versuchen auf euere Selbstbestimmungsrecht zu beruhen oder ihr sucht euch eine*n andere*n Ärzt*in). Testogel muss dann jeden Tag, z. B. morgens im Bad, auf die Haut aufgetragen werden. Mit Spritzen kenne ich mich zu wenig aus, aber was Gel angeht bekommt ihr von dem*der Ärzt*in ein Rezept, mit dem ihr dann einfach in der Apotheke Testogel bekommen könnt. Dafür fallen für euch, soweit meine Erfahrung, 10€ für eine Drei-Montas-Packung an. Den Rest muss die Krankenkasse bezahlen. Auch beim Gel gibt es unterschiedliche Präparate z. B. im Pumpspender oder als Gelpäckchen (wie auf dem Foto).

Bevor ihr aber Testosteron verschrieben bekommt müsst ihr normalerweise einen Bluttest machen, der dann auch alle paar Monate wiederholt wird, um den Hormonspiegel zu analysieren. Manche Ärzt*innen bestehen auch darauf, vorher eine Genitaluntersuchung zu machen, um festzustellen, dass ihr nicht intergeschlechtlich seid. Das ist auch sehr diskriminierend gegenüber intergeschlechtlichen Menschen, denen ein trans Weg versperrt werden soll. Es ist indviduell abhängig von den Endokrinolog*innen/ Gynäkolog*innen usw., ob sie die Indikation anerkennen, wenn eine Person nicht-binär ist. Es ist aber auch so, dass, wenn ihr eine Indikation habt, diese auf jeden Fall schonmal eine gute Voraussetzung ist, denn damit ist quasi eine „medizinische Notwendigkeit“ bestätigt, dass ihr Hormone braucht.

Wenn ihr dennoch skeptisch seid, ob das klappt, könnt ihr auch entweder eure*n Therapeut*in fragen, ob sie*er auch die Diagnose „Mann zu Frau Transsexualität (F64.0)“ auf die Indikation schreiben kann, oder ihr könnt überlegen, ob ihr dem*der Therapeut*in von Anfanga an überhaupt sagen wollt, dass ihr nicht-binär seid. Ich finde auch diese beiden letzten Option sind nicht zu verurteilen, auch, wenn es vielleicht so rüber kommt als ob eins lügt. Schließlich ist nicht eins selbst das Problem, sondern das binäre Gesundheitssystem, welches uns die nötigen Möglichkeit verwehren will, so zu leben wie wir uns wohl fühlen!

Soviel dazu, wie ihr an Testo heran kommt. Bald gibt’s auch mehr dazu, wie ihr mit den evtl. unerwünschten Nebenwirkungen umgehen könnt, die nun Mal mit einiger Wahrscheinlichkeit mit der zweiten Pubertät einher gehen (Akne usw.).

 

Alles Liebe

Montag, 16. September 2019

Oberkörperfreier Protest von trans und nicht-binären Aktivist*innen auf der Trans Pride Cologne 2019


Ein historischer Moment ereignete sich am vergangenen Sonntag auf der Trans Pride Cologne (Köln), als eine nicht-binäre Person das Redner*innenpult oberkörperfrei betrat und einen Redebeitrag gegen die Schließung des Assata im Hof, eines FLT*I*-Raums (Frauen, Lesben, Trans*, Inter*) hielt. Dieser Raum sei davon bedroht, durch die Immobiliengesellschaft, die ihn besitzt, geschlossen zu werden, womit ein wichtiger safe_space für die genannten Personengruppen in Köln verschwinden würde.

Die Rede wurde jedoch jäh unterbrochen, durch eine Aufforderung der Polizei, die redende Person solle sich ein Oberteil anziehen. Aus Angst eine Anzeige wegen "Erregung Öffentlichen Ärgernisses" und/oder „Ordnungswidrigkeit“ einstecken zu müssen entschied sich die redende Person dazu, den Oberkörper zu bedecken. Eine der Orgapersonen reichte hierfür die Prideflagge, die prompt als Wickeloberteil Verwendung fand und später durch zwei Aufkleber ersetzt wurde.

Cis-Männer laufen im öffentlichen Raum oft ohne Oberteil herum und werden dafür nicht belangt. Bei Menschen, die bei Geburt weiblich eingetragen wurden und/oder so gelesen werden sieht das anders aus. Die gleiche Handlung wird hier nicht so einfach toleriert, wie die Aufforderung der kölner Polizei zeigte.

Aus Solidarität mit der redenden Person und als Reaktion auf die diskriminierende Aufforderung der Polizei erhoben sich spontan mehr als zwanzig Aktivist*innen aus dem Publikum, zogen ihre Oberteile aus und stellten sich gemeinsam vor den Demowagen. Der starke und mutige Protest der vor allem trans und nicht-binären Aktivist*innen wurde von breitem Beifall begleitet. Die Emotionen und das Empowerment waren auf dem ganzen Platz spürbar.

In unserer Gesellschaft herrschen bestimmte Normen, die mit der Auffassung einher gehen es gäbe nur zwei Geschlechter. Dabei wird von „Männern“ erwartet einen flachen, von „Frauen“ erwartet einen vollbusigen Oberkörper zu haben. Ganz abgesehen davon, dass diese Norm selbst bei cis-Menschen oft nicht zutrifft ist es eine Norm, der sich auch viele trans/ nicht-binäre Menschen unterworfen fühlen, denn sie reguliert den öffentlichen Raum mit. Um dem eigenen Geschlecht entsprechend wahrgenommen zu werden (und aus sonst auch vielfältigen anderen Gründen) tragen viele (nicht alle) bei der Geburt weiblich zugeschriebene trans/ nicht-binäre Menschen einen Binder (Siehe hierzu auch Blogeintrag weiter unten).

Wir sind alle unterschiedlich. Nicht für alle Menschen, die sich als trans/ nicht-binär verstehen war es möglich bei diesem Protest mitzumachen. Dies trifft z. B. auf viele transweibliche und/oder bei Geburt männlich zugeschriebene Personen zu und auf viele Personen, mit Mastektomie.

Die entstandenen Fotos strahlen gleichzeitig Empowerment für viele aus. Ein Zeichen war die Aktion allerdings nicht nur für die Öffentlichkeit, sondern auch für das Angehen interner Community-Normen in Bezug auf die Sichtbarkeit nicht-normativer Wege.

Samstag, 15. Dezember 2018

Keine Menstruation ohne Hysterektomie? – Gebärmutterschleimhautverödung (Endometriumablation)

Zunächst ein Disclaimer: Ich bin weder medizinisch geschult, noch habe ich irgendeinen medizinischen Hintergrund. Wenn ihr also Interesse an diesem Eingriff habt, solltet ihr auf jeden Fall eine*einen Gynäkolog*in dazu befragen. Meine Motivation diesen Blogeintrag zu schreiben kommt alleine daher, dass ich das Gefühl habe, dass nicht genug Enbys und Trans*personen über dieses Thema Bescheid wissen und, weil ich denke, dass es für einen nicht unbeträchtlichen Teil von Trans*personen/ Enbys relevant sein könnte. Ich spreche aus der Position heraus persönliche Erfahrung mit diesem Eingriff gemacht zu haben.

Was ist eine Gebärmutterschleimhautverödung (oder im Fachjargon Endometriumablation)?
Bei so einem Eingriff wird die Gebärmutterschleimhaut und eine dünne Muskelschicht entfernt. Meistens soll dieser Eingriff durchgeführt werden, wenn eins gerade seine Tage hatte, damit sich noch nicht zu viel Schleimhaut wieder gebildet hat. Die Methoden können je nach Ärzt*in unterschiedlich sein. Zumeist wird die Entfernung durch eine Elektrowalze/ Rollerball durchgeführt.
Der Eingriff findet unter Vollnarkose statt und dauert ca. 15-30 min. Wenn es keine Komplikationen gab wacht eins auf, muss noch ein bisschen im Aufwachraum liegen, darf die nächsten 24 Stunden logischerweise kein Auto fahren und sollte auch sonst in dieser Zeit nicht alleine rumhängen. Im Gegensatz zu stationären Eingriffen, bei denen eins eine Zeit lang im Krankenhaus bleiben muss, ist eine Gebärmutterschleimhautverödung ein ambulanter Eingriff. Das heißt eins kann danach direkt wieder nach Hause (Das hängt aber auch leider oft davon ab was die Krankenhäuser so wollen. Ein Bett mehr die Nacht bringt für das Krankenhaus mehr Geld).
Um eine Gebärmutterschleimhautverödung durchführen zu dürfen braucht eins eine Indikation von einem*einer Gynäkolog*in. Diese können dann auch meist Empfehlungen aussprechen, welche Krankenhäuser diesen Eingriff durchführen.
Problem könnte sein: dass dein*deine Gyn dir keine Indikation schreibt, weil z. B. keine Symptome für schlimme Blutungen vorhanden sind. Du kannst ja versuchen zu sagen, dass es für dich die schonendere Alternative im Vergleich zur Hysterektomie ist.


Ziele einer Gebärmutterschleimhautverödung:
  • Die monatliche Blutung wird stark verringert oder bleibt in einigen Fällen manchmal oder in 40% der Fälle sogar ganz aus
  • Die Schmerzen der monatlichen Blutung werden stark verringert oder treten gar nicht mehr auf
Achtung: nach dem Eingriff ist es sehr unwahrscheinlich, dass eins noch schwanger werden kann, aber eine 100% Verhütungsmethode ist es trotzdem nicht! Dieser Eingriff wird nur durchgeführt, wenn eins sicher ist, dass eins nicht mehr schwanger werden möchte.

Ich kann nur sagen:
Am Tag der OP nahm ich noch 1-2 Schmerztabletten, aber danach kam ich gut ohne aus. Außerdem lag ich so 1 Woche auf der Couch und hab mich von der OP ausgeruht (schnelles Aufstehen nicht zu empfehlen). Nach 2-3 Wochen hörten die Nachblutungen der OP auf und alles war prima.
Im Vergleich zu vorher haben sich meine Schmerzen zu 100% verabschiedet und die Blutung ist im Gegensatz zu vorher verschwindend gering bis gar nicht mehr vorhanden!


Die Quellen sind natürlich leider alle nicht gegendert und in ihnen wird leider immer nur von cisfrauen gesprochen:

Hier finde ich den Eingriff recht gut erklärt:

Eine recht ausführliche und ziemlich wissenschaftlich formulierte Studie:

Hier ein Infoblatt mit kurzer Übersicht zur Endometriumablation:


Alles Liebe!

Sonntag, 3. Januar 2016

Sichtbarkeit von Trans* in der Stadt/ der Gesellschaft

Hallo ihr Lieben <3

Heute beantworte ich zwei Fragen zur Sichtbarkeit von Trans* in der Stadt und generell in der Gesellschaft:


1) Wie schätzt du die Sichtbarkeit von Trans*-Menschen und ihrer Belange in der Stadt/den Städten, in denen du aktiv bist, ein? (In „queeren“ Szenen, im Alltag, in Medien und überhaupt)
Wie auch in den Medien (nett dazu ist auch: https://www.youtube.com/watch?v=Y37ZtwO3zBc&nohtml5=False) ist die Repräsentation von Trans*personen und ihren Belangen in Städten gering. Die allgemein praktizierte und normierte Zweigeschlechtlichkeit hält viele Trans*personen zu Hause, da ein Austreten aus dem Safespace „Wohnung“ alltägliche Diskriminierung bedeutet. Anstarren, unangenehme Fragen von Unbekannten gestellt bekommen, körperliche Gewalt erfahren, Benachteiligung bei der Jobsuche, rechtliche Benachteiligung und Diskriminierung sind nur einige der Dinge, welche die alltägliche Lebenssituation von Trans*personen ausmachen. Es ist egal in welcher Stadt sich eine Trans*person bewegt, überall dort wo Menschen in einer Gesellschaft zusammenkommen, in der zweigeschlechtliche Normen manifestiert sind, werden Trans*personen diskriminiert und/oder ausgestoßen. Natürlich gibt es liberalere Städte, in denen weniger rechtspopulistische Gruppierungen bestehen, ob eine Trans*person mehr oder weniger diskriminiert wird hängt aber von mehr Faktoren ab, wie z. B. auch der allgemeinen öffentlichen Präsenz „queerer“ Vereine, Gruppen usw., der kommunalen politischen Situation, der Wohnsituation, dem sozialen Status, von rassistischen Faktoren und vielem mehr.
Auf Grund dieser Situation bleiben Trans*personen aber nicht nur unsichtbar im Alltag, sondern ihre Belange werden auch rechtlich und politisch selten wahrgenommen. Der anstrengende Alltag macht politische Partizipation verständlicherweise schwer, denn diese bedeutet so gut wie immer „sich zeigen“, „sich unangenehmen Fragen zum Trans*-Sein aussetzen“ usw. Der Kampf für Sichtbarkeit wird jedoch nicht nur durch die gesellschaftliche Situation außerhalb queerer Kreise erschwert, sondern findet zu einem großen Teil auch darin statt.
Zu oft ist die „queere Szene“ in Deutschland (also auch in deutschen Städten), besonders was die von ihr ausgehenden Politiken angeht, stark geprägt von weißen, ablebodied, schwulen cismännlichkeiten. In vielen Gremien und vermeidlich „queeren“ Vereinen (Vereine bilden die am häufigsten vorkommende Struktur der Interessenvertretung „queerer“ Politiken) sind sie in der Mehrheit, werden Frauen* und Inter*- und Trans*personen teilweise oder gänzlich ausgeschlossen, ihre Belange heruntergespielt oder ohne jede Kompetenz und ohne jedes Recht darauf vermeidlich vertreten. Der Begriff „queere Szene“ als solches muss deshalb hinterfragt werden, beschreibt das Wort „Szene“ doch eher eine Gemeinschaft. Für Trans*personen bedeutet die „queere Szene“ aber nur zu oft erneuten Ausschluss. Denn die Lebenswelten und Diskriminierungen die Trans*personen ausgesetzt sind basieren zunächst nicht auf sexueller Orientierung (es sei denn die sexuelle Orientierung der Trans*person entspricht nicht der konstruierten Heteronorm, dann liegen ineinander verwobene Diskriminierungsformen vor), sondern auf dem binären Geschlechterkonstrukt, auf dem unsere Gesellschaft fataler Weise fußt. Gerade deshalb können (weiße, ablebodied…) schwule Männer am wenigsten Interessenvertreter für Trans* sein, denn auf Grund ihres Geschlechts sind sie in der Gesellschaft privilegiert, anstatt dass sie deswegen diskriminiert werden. Es nutzt auch nichts die, wegen der exklusiven Organisationsstruktur von vielen „queeren“ Gruppen, Vereinen usw.  gerne eingesetzte, sogenannte „QuotenTrans*person“ als Entscheidungslegitimation! Niemals kann eine Person für eine Masse an Menschen sprechen, niemals darf Trans* als Kollektivsubjekt verwendet werden. Die Identitätenfrage (Was für eine Identität hat eine (Trans*)Person?) kann immer nur im Einzelnen und von der Person selbst erschöpfend beantwortet werden.

2) Falls du etwas dazu sagen kannst/magst: Erkennst du Unterschiede in der Sichtbarkeit von Belangen von Non-Binarys zu anderen nicht-Cis-Leuten?
Binäre Geschlechternormen (vor allem im Rechtssystem und im Alltag) bringen Trans*personen in die Lage, sich einem Geschlecht eindeutig zuordnen zu müssen. Nicht-binäre Trans*personen sind also weder im Rechtssystem (Es gibt keinen 3. Personenstand, nur eine Leerstelle für Inter*personen unmittelbar nach der Geburt, worüber wiederum der_die Ärzt_in die fremdbestimmende Macht hat), noch in den Köpfen der meisten Menschen überhaupt existent. Wenn etwas nicht „gedacht“ werden kann, weil die Vorstellung daran nicht den gängigen Normen folgt und keine Informationen dazu verbreitet werden, dann wird auch nicht (politisch, sozial usw.) „daran gedacht“. So werden nicht_binäre Trans*personen, nutrois, a-gender, zu oft auch Inter*personen und viele mehr, weder in die Stadtplanung noch in politische, Freizeit-, soziale- und kulturelle Aktivitäten mit einbezogen.
Nicht nur werden diese Identitäten nicht mit-bedacht, sie werden so auch mundtot gemacht, sodass sich ihre Situation noch langsamer als die von sich binär identifizierenden Trans*personen, wenn überhaupt zum Besseren verändert. Dies soll keine Kluft zwischen den beiden hier für die Verständlichkeit geschaffenen Kategorien aufreißen, soll im Gegenteil damit gezeigt werden, dass die Zweigeschlechtlichkeit der Feind beider Gruppen ist. Zwingt sie (die Zweigeschlechtlichkeit) die eine Gruppe (nicht-binäre und weitere Identitäten), Rollen anzunehmen, die mit der Identität unvereinbar sind, schafft sie für die andere Gruppe oft Ideale, die Zwänge und weitere Diskriminierung bedeuten (z. B. Alltagstest, Passingdruck usw.). Dass die Besserung der Situation für alle Trans*personen nur stockend voranschreitet zeigen nicht nur Fakten auf Bundesebene, wie, dass im TSG erst seit 2011 geschlechtsangleichende Operationen nicht mehr Voraussetzung für die Namens- und Personenstandsänderung sind. Auch geschlechtergetrennte öffentliche Toiletten, die selbst sich binär identifizierenden Trans*personen ohne oder vor dem Passing Probleme bereiten, ungeschulte Mitarbeitende von Ämtern und anderen städtischen Einrichtungen wie Schulen, Kindergärten usw., die Nennung und Meinung von Frauen ohne Sternchen (*) z. B. bei Frauenzentren, Frauenberatung usw., die Nicht-Nennung von Personen, die ebenfalls fähig sind Kinder zu gebären, ohne Mütter zu sein, bei z. B. Mutter-Kind-Einrichtungen, erschwerte Namensänderungen an Hochschulen, die Nicht-Nennung in Bildungseinrichtungen (im Unterricht, in Seminaren) und und und zeigen die Masse an Diskriminierung, die einzelnen Trans*personen täglich entgegenschlägt.
  • 45% der Trans*personen begehen deswegen Selbstmord
  • Die Erfahrungen können sehr unterschiedlich sein, je nachdem von wie vielen verschiedenen Diskriminierungsformen Trans*personen betroffen sind.
  • Keine cisperson kann verstehen wie es ist, dies täglich zu erleben und hätte deswegen einen Vertretungsanspruch!
  • Trans*personen müssen und können sich (wegen der Erfahrung) oft nur selbst helfen, deswegen ist es so wichtig Peer*Support auszubauen und lokale Trans*Peerberatung zu stärken, sich gegenseitig zu unterstützen und keine Hierarchisierung innerhalb „queerer“ Spaces, aber auch keine innerhalb von „Trans*spaces“ (als leider verallgemeinende Bezeichnung) zu schaffen.
„This world was not set up for queer people, so we have to make everything that we want to see in the world and everything that we need for ourselves […] queer and trans*-identified people are really just artists and inventors and scientists, poets [...] just by nature we create things, because we are trying to create spaces […] in our life[s]. (Jacques LeFemme)”

("Diese Welt ist nicht für queere Menschen gemacht worden, deshalb müssen wir alles, was wir in der Welt sehen wollen und was wir brauchen selbst erschaffen. Sich queer und Trans* identifizierende Personen sind wirklich Künstler*innen und Erfinder*innen und Wissenschaftler*innen, Dichter*innen [...], so als wäre es für uns die natürlichste Sache, kreieren wir Dinge, weil wir versuchen Räume für uns zu schaffen [...] in unseren Leben")

Alles Liebe

Sexpositive Queer-feministische Pornos – Ein Einblick in ein emanzipatorisches Filmgenre

Hallo ihr Lieben,

in diesem Eintrag geht es um queer-feministische Pornografie und wie diese die Pornoindustrie und überhaupt den Blickwinkel auf Sex revolutioniert.
Die meisten Pornofilme sind für Cis-Männer gemacht, das merkt mensch sehr schnell. Sie sind oft aggressiv und Männer dominieren darin Frauen. Bei vielen Frauen werden darin besonders ihre Brüste oder allgemein ihr Körper objektiviert, schon alleine weil eine Pornodarstellerin einen bestimmten Körperbau haben muss um überhaupt an einem Film teilnehmen zu können. Wenn eine Person diesem Körperbau nicht entspricht, aber trotzdem in einem Porno mit spielt, dann meistens weil der Porno auf einen bestimmten Fetisch ausgelegt ist, was „nicht-idealähnliche“ Körper zu etwas macht, auf das mesch erst einmal „stehen müsse“. Dadurch wird natürlich Sexismus und Lookismus, aber sehr oft auch Rassismus, Ableismus und und und reproduziert. Die Bilder schreiben damit aber auch in den Köpfen der Menschen die Pornos schauen (und das sind ziemlich viele) eine bestimmte Auffassung davon fest, wie Sex ablaufe, wie er sich anfühle müsse und mit wem mensch ihn habensolle bzw. mit wem nicht. Das ist sehr diskriminierend, vor allem, weil so gut wie niemensch einen Körperbau wie Pornodarsteler_innen hat oder irgendwie eine solche Szene "nachspielen" könnte, die in stundenlanger Arbeit und mit vielen Outtakes und Schnitten produziert wird und deshalb nie ein realistisches Bild zeichnen kann. Damit möchte ich aber nicht sagen, dass Pornodarsteller*innen zu kritisieren seien, denn das kann durchaus ein Beruf sein, der Spaß macht. Ich möchte lieber kritisieren, wie solche Filme aufgebaut sind, welche Bilder darin reproduziert werden. Dabei  ist der dünnste Faden auf dem mensch sich bewegen kann, auf dem allerdings queere Pornos hervorragend zu tanzen gelernt haben, die Linie Zwischen dem fetisch an sich und der Nicht-Reproduktion diskriminierender Bilder.
Queere Pornos versuchen, die Darsteller*innen nicht zu objektivieren. In queeren Pornos sollen alle Menschen Platz haben, die Lust darauf haben, eine Performance als Pornodarsteller*innen hinzulegen um sexpositive Vibes mit ihrem Körper nach außen zu tragen. Das bedeutet, dass viele queere Performer*innen in solchen Filmen auch Aktivist*innen sein können, die in sexpositiver Mission unterwegs sind. Deshalb spielt Feminismus oft eine große Rolle bei der Produktion solcher Filme. Nur selten treten Cis-Männer in queer-feministischen Pornos auf, wahrscheinlich weil sich Cis-Männer selten als queer identifizieren. Auch gibt es deshalb selten Klischee-heterosexuelle Szenen zwischen einer Cis-Frau und einem Cis-Mann. Eine besondere Neuerung, die queere bzw. queer-feministische Pornos mit sich bringen ist, dass oft Trans*personen darin performen. Dabei unterscheidet sich diese Art des Performens ziemlich von der wie Trans*personen in den Mainstream-Pornos dargestellt werden. Für viele queere Pornodarsteller*innen scheint dieses Berufsfeld auch ein Weg zur Emanzipation des eigenen Körpers von Körpernormen zu sein und ein empowerndes Erlebnis. Dabei ist es wichtig zu schauen, dass sich in der Situation, also beim Dreh, alle Personen so wohl wie möglich fühlen und ihre Gedanken und Gefühle zum Ausdruck bringen können, damit eine konsensuale Atmosphäre erzeugt wird. Oft machen queere Pornodarsteller*innen im Porno auch das worauf sie ust haben und nicht das, was ihnen ein Drehbuch vorgibt. Unten habe ich einige Links zu Interviews mit Performer*innen queerer Pornografie aufgeführt, die sich zu schauen lohnen.

Ich schließe diesen Beitrag mit einem Zitat von Jaques Le Femme (queer-porn-performende Person): “I truly believe that gender is a concept and I present myself however I want and have sex with whomever I want.” [„Ich glaube daran, dass Geschlecht ein Konzept ist und ich gebe mich nach außen so wie ich will und habe Sex mit wem ich will.“]


Interviews mit Performer_innen (leider alle auf Englisch):

Alles Liebe